Schappe Grellingen (Florettspinnerei)

Teil eines Grossunternehmens
Das neue Unternehmen trat am 1. Januar 1882 die Nachfolge an, wobei nun neu der Bankverein als Garant eingebunden wurde. Später wurden zahlreiche weitere Schappe-Unternehmen in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und sogar in den USA in dieses Grossunternehmen integriert. Der Gründer der S. in Grellingen, Auguste Veillon, blieb bis 1888 Delegierter des Verwaltungsrats.
Die folgenden Jahre verliefen unterschiedlich erfolgreich. Ein grosses Problem war der Mangel an Arbeitskräften – in der Schappeproduktion waren dies vorwiegend Frauen. Daher richtete die S. zur Gewinnung neuer Arbeitskräfte 1905 ein eigenes Arbeiterinnenwohnheim in Grellingen ein. In den 1920er Jahren erlebte die Schappeproduktion wiederum eine mehrjährige Blüte, die bis 1929 anhielt und dann in der grossen allgemeinen Krise endete. Der Zusammenbruch der Preise für Rohseide liess den Preisvorteil des Abfallprodukts Schappe schrumpfen. Die Zahl der Beschäftigten in Grellingen ging stark zurück, teilweise wurde Kurzarbeit geleistet und sogar der Betreib vorübergehend eingestellt. Erst kurz vor dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer Erholung. Während des Krieges wirtschaftete die Industriegesellschaft insgesamt gut.
1945 traten die Arbeiterinnen der Schappe Arlesheim in Streik. Sie erhielten im ganzen Land Beachtung und Unterstützung durch Sammelaktionen und konnten schliesslich Lohnerhöhungen und einen Gesamtarbeitsvertrag durchsetzen. Die Belegschaft in Grellingen war nicht direkt am Streik beteiligt, profitierte aber von dessen Erfolgen, insbesondere vom neuen fortschrittlichen Gesamtarbeitsvertrag.
1961 schloss sich die Industriegesellschaft für Schappe mit all ihren Betrieben und mit der Société Anonyme de Filatures de Schappe Lyon zur Holdinggesellschaft Schappe AG mit Sitz in Genf zusammen. In der Folge wurden einige Betriebe zusammengelegt und Produktionsstätten in Basel, Angenstein und Frankreich geschlossen. Im Verlauf der 1960er Jahre wurde die Produktion von Schappe in Grellingen ganz aufgegeben und der Betrieb auf ein neues Verfahren zur Veredelung von Kunstfasern umgestellt. Die Fabrik wurde an die Schappe-Tex AG vermietet, eine 1964 gegründete Gesellschaft dreier Grossfirmen, darunter die Schappe AG und der weltgrösste Textilkonzern Burlington Industries aus den USA. Der Betrieb in Grellingen wurde entsprechend umgerüstet und die Belegschaft umgeschult. Die S. beschäftigte bald 400 Mitarbeitende, in der Mehrheit weiterhin Frauen. 1967 wurde die Schappe AG von Burlington ganz übernommen und der Betrieb ab 1970 unter dem Namen Burlington-Schappe AG weitergeführt. Kurz darauf führten die Auswirkungen der Rezession und der stark anwachsenden internationalen Konkurrenz zu einem Preiszerfall auf den Absatzmärkten. Bei ihrer Schliessung im Jahr 1972 beschäftigte die S. in Grellingen noch 240 Arbeiter/innen. Die Produktion wurde aus Kostengründen nach Arlesheim verlegt, wo die Arbeiterinnen aus Grellingen weiterhin beschäftigt wurden. Der dortige Betrieb lief noch bis 1977 weiter.

Kiki Lutz, 4/12/2012

Archivbestände

SWA Schweizerisches Wirtschaftsarchiv Basel, Dokumentensammlungen:
Burlington Industries (Textilunternehmen)– Basel,
Signatur: H + I Bd 1078
Industriegesellschaft für Schappe (Textilunternehmen) – Basel/Arlesheim,
Signatur: H + I Bd 7
Schappe-Tex Unternehmungen (Textilunternehmen)– Basel,
Signatur: H + I Bd 252
Schappe AG (Textilunternehmen)– Basel/Genève,
Signatur: H + I Bd 231

Bibliografie

Basler Nachrichten, 26. Oktober 1972
Anna C. Fridrich, Roland Grieder (Hg.), Schappe. Die erste Fabrik im Baselbiet. Ein Portrait, 1993
Anna C. Fridrich, «Industriegesellschaft für Schappe», in Historisches Lexikon der Schweiz [Online-Version], Stand vom 30.10.2012: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D43013.php
F. Mangold und H.F. Sarasin, Industriegesellschaft für Schappe. Entstehung und Entwicklung, Basel 1924
Alban Müller, Die Entwicklung der Industrien im unteren Birstal mit besonderer Berücksichtigung des Standortes, Dissertation Universität Basel, Laufen 1940, S. 66-87
National-Zeitung Basel, 21. Oktober 1972
Heinz Voegtlin, «Industrie Schappe in Grellingen», in Heimatkunde Grellingen, Grellingen 1999, S. 147-149
Heinz Voegtlin, «Grellingen: Die Schappe», in Laufentaler Jahrbuch Nr. 3, 1988, S.46-49